In Deutschland geht es mit großen Schritten auf die Saison 2011/12 zu. In der kommenden Woche starten auch die letzten DEL-Teams mit der ersten Eiseinheit in ihr Vorbereitungsprogramm. Der Startschuss in Deutschland fällt am 16. September. Bis dahin stehen noch einige Testspiele für die Vereine an.

Photo by Kolner Haie

Besonderes Augenmerk wird in diesem Jahr auf das Team in Köln geworfen. Nachdem die Mannschaft im vergangenen Jahr um die Playoffteilnahme bangen musste und in einer Spielzeit drei verschiedene Torhüter engagiert worden waren, soll in dieser Saison alles besser werden. Dafür sorgt erst einmal der ehemalige Bundestrainer und Ur-Hai Uwe Krupp. Außerdem nahm der Verein viele junge deutsche Talente unter Vertrag. So soll das Team langfristig aufgebaut werden. Mit Kapitän John Tripp (war in der letzten Saison in Hamburg aussortiert worden und schlug in xx Spielen in der Domstadt ein) verfügt das Team außerdem über einen gestandenen Routinier, der das junge Team zum Erfolg führen soll. Zwei dieser jungen Spieler sind Matt MacKay und Björn Krupp. Die beiden Spieler absolvieren das Vorbereitungsprogramm der Haie mit und versuchen sich mit ihrer Leistung für einen Kontrakt bei den Haien zu bewerben. Katharina Schneider-Bodien hat die beiden Spieler in Köln getroffen. 

 

Eure Väter sind im deutschen Eishockey keine Unbekannten. War es da von vorne herein klar, dass auch ihr Eishockeyprofis werdet?

 

Björn: Bei mir überhaupt nicht. Als ich klein war, haben sich meine Eltern getrennt und ich bin zurück nach Deutschland gekommen. Als ich elf war, bin ich mit meinem Vater zurück nach Amerika gegangen, da hatte er seine Spielerkarriere gerade bei den Atlanta Trashers beendet. Erst da habe ich selbst mit dem Eishockeyspielen angefangen, also relativ spät.

 

Matt: Bei mir war das ein bisschen anders. Ich bin in der DEL-Kabine aufgewachsen, die Kollegen von meinem Vater haben sogar mit mir gespielt. Die NHL ist zwar ganz schön, aber seit meiner Kindheit, wollte ich immer in der DEL spielen. Für mich ist es eine große Ehre, in dieser Liga zu spielen.

 

Warum seid ihr nach Deutschland gekommen?

 

M: Ich habe ein paar Vertragsangebote aus der AHL bekommen, habe aber auch mit DEL-Teams gesprochen. Die Entscheidung AHL oder DEL war für mich echt schwierig. Dann hat aber Uwe Krupp angerufen und mit mir und meinen Eltern zwei Stunden gesprochen. Nach diesem Telefonat war klar, dass ich nach Köln gehen werde. Super Verein, die Trainer sind gut, die Leute in der Verwaltung auch. Und Köln gefällt mir auch sehr gut.

 

B: Ich hätte noch ein Jahr in der OHL spielen können. Dann wäre ich zu alt gewesen. Aber dann bekam ich im Frühjahr die Gelegenheit nach Deutschland zu kommen. Auch mein NHL-Team (Minnesota Wild, Anm. d. Red.) fand die Idee gut. Die wissen, dass ich hier in guten Händen bin. Ich kriege von meinem Vater Unterstützung, vom Verein, die Stadt ist  auch super.

 

 

Matt, du hast einen kanadischen Pass?

 

Ja, aber ich bin in Kempen geboren. Ich versuche meinen deutschen Pass zu bekommen, der ist auch schon beantragt. Hoffentlich klappt das schnell. Ich fühle mich ein bisschen mehr deutsch als kanadisch. Ich bin in Schwenningen aufgewachsen und habe auch noch viele Freunde dort. Meine Eltern und ich sind im Sommer häufig nach Deutschland zurückgekommen.

 

 

Was sind eure kurzfristigen Ziele hier in Deutschland?

 

B: Ich habe noch nie Eishockey in Deutschland gespielt, deshalb bekomme ich keine Förderlizenz, auch wenn ich einen deutschen Pass habe. Ich muss erst zwei Jahre in Deutschland spielen. Während des Trainingslagers muss ich arbeiten, um mich für einen Platz im Team der Haie zu bewerben.  Wenn das aber nicht klappt, gehe ich nach Duisburg und versuche es im nächsten Jahr erneut.

 

M: Das ist bei mir ähnlich. Ich habe zwar schon in Deutschland gespielt, aber entweder werde ich bei den Haien oder bei den Duisburger Füchsen spielen. Ein Wechseln während der Saison, wie es bei Förderlizenzspielern der Fall ist, wird es bei mir auch nicht geben.

 

 

Wann wird entschieden, wo ihr spielt?

 

B: In den nächsten Wochen. Nach dem Trainingslager geht es ja zu einem Turnier in die Slowakei, dann werden die Trainer entscheiden, denke ich.

 

Habt ihr auch schon mit Duisburg trainiert?

 

B: Ja, im Sommer haben wir den Trainer kennengelernt. Das ist eine junge Mannschaft, die haben viele neue Spieler. Falls es mit den Haien nicht klappen sollte, ist das auch eine super Mannschaft.

 

 

Wie kam es zu euren Rückennummern?

 

B: Die Vier hätte ich nicht nehmen wollen. Unter seinen Füßen zu spielen, wäre wirklich schwer geworden (Vater Uwe trug die 4, Anm. d. R.). Ich möchte mein eigenes Spiel spielen und nicht immer nur mit meinem Vater verglichen werden. Da ist die 44 ein super Kompromiss, da ist dann auch eine Vier drin.

 

M: Ich würde nie die 81 tragen wollen. Was mein Vater in der DEL geleistet hat, war etwas ganz Besonderes. Ich möchte nicht, dass die Leute sagen, „Guck mal, der spielt hier wegen seinem Vater“. Ich möchte mir meinen eigenen Namen aufbauen. Mein Vater war immer mein Held, aber wie Björn schon gesagt hat, möchte ich auch mein eigenes Spiel spielen. Die 90 ist mein Geburtsjahr. Vielleicht werde ich mal irgendwann die 18 nehmen, wenn ich mich etabliert habe.

 

 

Björn, dein Vater hat dich in Amerika schon mal gecoacht. Ist das jetzt anders?

Ist dein Vater bei deinen Leistungen besonders streng?

 

B: Er hat mich trainiert bis ich ungefähr 15 Jahre alt war. Jetzt ist das ein bisschen anders. Ich hatte in den letzten Jahren einen anderen Trainer, außerdem spiele ich kein Nachwuchseishockey mehr, das ist jetzt Profieishockey. Die Situation ist also ganz anders. Vor dem Trainingsstart hier in Köln haben wir abgemacht, dass ich in der Eishalle für ihn ein Spieler wie jeder andere bin. Das finde ich richtig, denn es zeigt den anderen Spielern, dass ich keine bevorzugte Rolle habe.

 

Wie war das bei dir, Matt?

 

M: Mein Vater war nie mein Trainer. Wenn er zur Eishalle gekommen ist, dann immer in der Rolle meines Vaters. Meiner Meinung nach war mein Vater der perfekte Vater. Er hat nie an der Bande gestanden und gebrüllt, wenn es mal nicht gut lief. Klar hat er mir dann nach dem Spiel Tipps gegeben, was ich noch besser machen könnte, aber diese Tipps habe ich erst angefangen umzusetzen, als ich 15 Jahre alt war. Wenn er mir vorher Verbesserungsvorschläge gemacht hat, habe ich immer mit den Augen gerollt. In diesem Sommer hat er mir viele Tipps gegeben, wie man sich als Profi benimmt. Ich denke, das hat mir viel gebracht.

 

Bei den vielen Trainings, den Spielen und weiteren Terminen … bleibt da überhaupt noch Freizeit?

 

M: Viele Spieler gehen nach dem Training in die Stadt, gehen Kaffee trinken. Aber bei Björn und mir ist das anders. Wir konzentrieren uns beide gerade aufs Training und fahren nach dem Training nach Hause. Wir schlafen, essen und trinken viel, damit wir am nächsten Tag wieder voll dabei sind. Wir versuchen immer 110 % zu geben, und da sind wir nach dem Training wirklich müde. Wir wollen Uwe Krupp zeigen, dass wir wirklich bei den Haien spielen wollen.

 

B: Also die letzte Woche war schon schwer. Wir sind am Montag einmal auf dem Eis gewesen. Am Donnerstag und Freitag sogar zweimal. Am Wochenende hatten wir dann frei. Das war auch für die Beine sehr wichtig. Diese Woche ist es nicht mehr ganz so schlimm, weil wir mehr ins System reingehen. Aber das ist immer noch ein großer Unterschied. Ich merke den Unterschied zwischen Junior- und Profiliga ganz deutlich.

 

 

In Kanada ist die Eisfläche ja kleiner als hier in Deutschland. War die Umstellung ein großes Problem?

 

B: Belleville war die einzige Mannschaft in der OHL, die eine große Eisfläche hatte. Deshalb war die Umstellung überhaupt kein Problem. Klar, musst du bei einer großen Eisfläche mehr laufen, aber du hast auch mehr Zeit zum reagieren.

 

M: Ich habe im Vorfeld mit den Trainern gesprochen. Sie haben gesagt, dass ich die Scheibe direkt weitergeben muss. Ich kann also nicht so viel mit der Scheibe laufen. Am Anfang war das ein bisschen schwierig für mich. Denn in der WHL konnte ich das Spiel ein bisschen kontrollieren, wenn ich die Scheibe hatte. Jetzt muss ich den Puck abgeben und sehen, dass ich vor das Tor komme und mir da den Puck wieder erarbeite.

 

Mal angenommen, wir treffen uns am Ende dieser Saison wieder hier. Was habt ihr dann in diesem Jahr erreicht?

 

B: Ich hoffe, dass ich dann mit den Haien spiele und dass das Jahr ein guter Start für meine Karriere in Deutschland war.

 

M: Ich möchte hier bleiben und werde auch alles dafür tun. Egal wie, aber ich möchte der Mannschaft helfen, wo ich kann.

 

Was denkt ihr, ist dieses Jahr bei den Haien drin?

 

B: Das ist dieses Jahr ein starkes Team. Die Reihen sind ausgeglichen, wir haben große, schnelle Spieler. Und die jungen Spieler sind einfach heiß darauf, Eiszeit zu bekommen. Das wird wirklich Spaß machen.

 

M: Wir haben sechs super Verteidiger. Das ganze Team ist sehr ausgeglichen. Ich glaube, wir können gut mit den anderen Teams mithalten.

 

 

Björn Krupp ist der Sohn des ehemaligen Bundestrainers und ersten deutschen Stanleycup-Siegers. In der kommenden Saison trainiert  Uwe Krupp die Kölner Haie. Mark MacKay ist deutscher Rekordnationalspieler und stand für Schwenningen und Neuss auf dem Eis.

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